Stefan Kuntz, Cheftrainer des Fußball-Olympiateams, geht beim Abschlusstraining am Frankfurter Stadion über den Platz.

Fußball

"Kein optimales Zeichen": Fußballer mit Mini-Team nach Tokio

Die deutschen Fußballer reisen mit einem Mini-Kader zu den Olympischen Spielen. Nur 18 statt der erlaubten 22 Spieler umfasst der Kader. Trainer Stefan Kuntz übt Kritik, will aus der Not aber eine Tugend machen.

"Ich finde, das ist kein optimales Zeichen. Es gibt sonst wohl keine Sportart, in der nicht alle möglichen Kaderplätze besetzt werden", sagte Kuntz wenige Stunden vor dem Abflug nach Japan am Dienstag (13.07.2021). Auch der Sportliche Leiter Joti Chatzialexiou reist mit einem unguten Gefühl zu den Spielen: "Es ist enttäuschend, wenn du nicht die nötige Unterstützung erhältst. Letztlich ist es so, dass du mit diesem Kader auch begrenzt bist. Wenn irgendwas passiert, kann es dünn werden."

"Wir mussten im Januar eine 100er Liste erstellen. Wir haben alle Spieler auf dieser Liste abtelefoniert. Diese 18 sind übrig geblieben." DFB-Trainer Stefan Kuntz

Am Dienstag teilte der DFB mit, dass nach der kurzfristigen Absage von Ismail Jakobs kein Akteur nachnominiert werde. Der U21-Nationalspieler verzichtet wegen seines Wechsels vom 1. FC Köln zum französischen Erstligisten AS Monaco auf die Sommerspiele.

Kuntz: "Einige Spieler wollten nicht"

Gesucht hat Kuntz nach Ersatz sehr wohl. Allein, es war niemand mehr zu finden, der angesichts der bevorstehenden Bundesliga-Saison noch mit wollte oder konnte. Erlaubt wäre ein Olympia-Kader mit 22 Akteuren, nun sind es lediglich 18, darunter drei Torhüter.

05:04 min | 06.07.2021

Kuntz: "Olympia hat einen hohen Stellenwert"

DFB-Trainer Stefan Kuntz bereitet sein Team auf Olympia vor. Aus dem Vollen schöpfen kann er aber nicht. Viele Wunschspieler stehen nicht zur Verfügung.

Einige Spieler wollten nicht, andere stellten die Vereine nicht frei - Kuntz ärgert das, doch er zeigte auch Verständnis für die Clubs. "Ich kann die Vereine schon verstehen, weil Olympia mitten in die Vorbereitung fällt", sagte der Europameister von 1996 im Sportschau-Interview. "Aber ein bisschen mehr Unterstützung wäre noch gegangen."

"Clubs wie Union Berlin, Hertha oder Wolfsburg sehr kooperativ"

Der 58-Jährige fand für einige Clubs auch lobende Worte: "Vereine wie Union Berlin, Hertha BSC oder auch der VfL Wolfsburg, der uns mit Maxi Arnold einen seiner Führungsspieler gibt, haben sich sehr kooperativ verhalten." Überhaupt möchte Kuntz gerne einen Strich unter die Kader-Diskussion ziehen: "Damit ist aber auch gut mit der Beklagerei. Sonst werden wir den Jungs nicht gerecht, die voller Freude für Olympia brennen."

"Ich verstehe gar nicht, wie man keinen Bock auf Olympia haben kann. Es ist eine Ehre, dabei sein zu dürfen. Da kommt noch ein bisschen der kleine Junge in mir raus." Max Kruse

Union Berlin stellt in Max Kruse ebenfalls einen seiner Besten ab. Wobei der 33-Jährige auch selbst ziemlich hinterher war, in Japan für Deutschland aufzulaufen. "Max hat von Anfang an gesagt: 'Ich möchte mit zu Olympia' und hat auch immer wieder nachgefragt", erzählte Kuntz, der sich viel von dem ehemaligen A-Nationalspieler verspricht. "Er ist auf dem Platz unberechenbar und abgezockt. Das wird uns guttun."

Kruse: "Werden alles versuchen, um Gold zu holen"

Zunächst muss das DFB-Team die schwere Vorrundengruppe D mit den Spielen gegen Olympiasieger Brasilien (22.7.), Saudi-Arabien (25.7.) und die Elfenbeinküste (28.7.) überstehen. "Solange wir elf Leute auf den Platz bekommen, werden wir alles versuchen, die Goldmedaille zu holen. Die ist mehr Wert als jedes Geld", sagte Kruse.

Coach Kuntz, der sieben Spieler aus seiner U21 dabei hat, die Anfang Juni überraschend den EM-Titel gewonnen hat, hält sich da etwas bedeckter: "Unser Ziel ist erst einmal das Erreichen des Viertelfinales." Dabei setzt er auf "eine gewisse Lockerheit und den Teamspirit."

20.000 Euro für Gold

Diese Einstellung soll das Team durch das Turnier tragen und wurde vom Mannschaftsrat bei der Prämienverhandlung untermauert. "Die Jungs haben das erste Angebot angenommen und bekommen soviel wie die anderen Athleten. Denen geht es nicht um die Kohle, die wollen Olympia spielen", lobte Kuntz. "Das war ein geiles Zeichen von der Mannschaft." Für Gold gibt es in Tokio 20.000 Euro.

01:59 min | 13.07.2021 | Autor/in: Merget, Mathias

Olympia-Fußballer mit kleinem Team und großen Träumen nach Tokio

Einige Spieler wollten nicht mit, einige Vereine stellten ihre Profis nicht ab. Trainer Kuntz ist dennoch optimistisch - und setzt auf den Teamgeist.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia Tokio 2020 | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 13.07.21 16:50 Uhr