Im Zeichen der Spiele: Olympische Ringe in London © dpa - Bildfunk Foto: Christian Charisius

Geschichte

Olympia: Krisen sind keine Seltenheit

Die Olympischen Spielen sind wegen der Corona-Pandemie verschoben worden. Es ist nicht die erste Krise, die das IOC zu überstehen hat. Ein Rückblick auf 120 teils komplizierte Jahre.

Absage während der Weltkriege

1896 in Athen feiern die Olympischen Spiele ihre Wiedergeburt in der Neuzeit. Bereits 20 Jahre später kommt es zur ersten Absage. Wegen des Ersten Weltkriegs fallen die Spiele 1916 in Berlin aus.

Während des Zweiten Weltkrieges werden insgesamt vier Olympische Spiele gestrichen: 1940 (Winter: Sapporo, Sommer: Tokio) sowie 1944 (Winter: Cortina d'Ampezzo, Sommer: London.

Politische Krisen

Dass Sport unpolitisch sei, ist seit Jahrzehnten ein Mantra von Sportfunktionären. Ein Blick auf politische Boykotte und Verwerfungen im Zusammenhang mit Olympia beweist jedoch, dass dem mitnichten so ist.

  • 1920 finden zwei Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs die Spiele im belgischen Antwerpen statt. Deutschland und seine Kriegsverbündeten Österreich, Ungarn, Bulgarien und die Türkei werden nicht eingeladen.

  • 1936 werden Stimmen laut, die einen Boykott der Spiele in Nazi-Deutschland fordern, vor allem in den USA. Doch der US-NOK-Chef Avery Brundage, verhindert durch eine gesteuerte Abstimmung ein Fernbleiben der Amerikaner in Berlin. Zudem sorgt er dafür, dass keine jüdischen Sportler im US-Team sind. Brundage, den einige Forscher als überzeugten Antisemiten bezeichnen, wird später IOC-Präsident und bei den Spielen 1972 in München erneut im Mittelpunkt stehen.

  • Die Sowjetunion nimmt 1952 nicht an den Sommerspielen in Helsinki teil. Sie hält Olympische Spiele für kapitalistisch.

  • 1956 in Melbourne boykottieren mehrere Nationen aus verschiedenen Gründen Olympia. Beispielsweise gibt China zwei Wochen vor den Spielen bekannt, dass es nicht teilnehmen werde, weil die Republik Taiwan zugelassen wurde.

  • 1976 in Montreal fehlen 16 afrikanische Länder, um gegen die Teilnahme Neuseelands zu protestieren. Das neuseeländische Rugby-Team - die All Blacks - hatte zuvor im international geächteten Südafrika gespielt.

  • Als Reaktion auf den Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan boykottieren 1980 die USA, die Bundesrepublik und weitere 40 Staaten die Spiele in Moskau.

  • Vier Jahre später gibt es den Gegen-Boykott des Ostblocks bei Olympia in Los Angeles. Offiziell werden mangelnde Sicherheitsgarantien als Grund genannt.

Der Terroranschlag in München 1972

Die "heiteren" Sommerspiele 1972 in München werden durch das Attentat palästinensischer Terroristen am 5. September überschattet. Elf israelische Athleten werden zunächst als Geiseln genommen und dann ermordet. Bei der gescheiterten Befreiungsaktion auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck kommen auch ein deutscher Polizist sowie fünf der acht Terroristen ums Leben.

Die Spiele werden nach einem Trauertag dennoch fortgesetzt. "The Games must go on", sagt der damalige IOC-Präsident Brundage. Jener Brundage, der 1936 den US-Boykott der Spiele in Berlin verhindert hatte.

Organisatorische Krisen

Mehrmals in der mehr als 120-jährigen Geschichte der olympischen Neuzeit gibt es organisatorische und finanzielle Probleme.

  • Das als Austragungsort vorgesehene Rom muss die für 1908 geplanten Spiele zurückgeben, weil sich das Organisationskomitee im Januar 1906 auflöst. London springt ein.

  • 1932: Wegen der Weltwirtschaftskrise können sich zahlreiche Mannschaften die Teilnahme an den Winterspielen in Lake Placid und den Sommerspielen in Los Angeles nicht leisten, in Los Angeles sind nur etwa halb so viele Sportler am Start wie vier Jahre zuvor in Amsterdam.

  • 1976 sollen die Winterspiele in Denver stattfinden. Doch drei Jahre zuvor schmettern die Bewohner das Vorhaben in einem Referendum ab. Innsbruck springt ein.

  • Die Sommerspiele in Montreal sind ein organisatorisches Desaster. Finanzprobleme und Planungschaos lassen die Kosten in die Höhe schießen. Die für das Olympiastadion geplante spektakuläre Dachkonstruktion wird nicht rechtzeitig fertig. Bis 1996 müssen die Bürger Montreals eine Sondersteuer zahlen, um die Schulden abzutragen.

Korruption und Glaubwürdigkeitskrisen

1999 wird bekannt, dass sich mehrere IOC-Mitglieder bei der Vergabe für die Winterspiele 2002 in Salt Lake City bestechen ließen. Seitdem kämpfen die "Herren der Ringe" mit einem Glaubwürdigkeitsproblem. Immer wieder ranken sich Gerüchte um Korruption bei der Vergabe von Olympischen Spielen.

Der relativ lasche Umgang mit dem russischen Staatsdoping in den vergangenen Jahren hat dem Ansehen des IOC noch deutlicher geschadet. In westlichen Demokratien haben die Bürger bei Referenden reihenweise Olympia-Bewerbungen gekippt, beispielsweise in Hamburg und München. Die Bewerber werden knapp. So finden die Winterspiele 2022 in Peking statt, obwohl China so gut wie keine Wintersport-Tradition hat. Für 2024 (Paris) und 2028 (Los Angeles) gab es eine Doppelvergabe, weil nur diese beiden Städte als Bewerber angetreten waren.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 24.03.20 13:30 Uhr