Turner Andreas Toba an den Ringen © imago images/Pressefoto Baumann

Corona-Krise

"Verschiebt die Spiele" - Kritik am IOC wird lauter

Mit deutlichen Worten hat Turn-Star Andreas Toba vom IOC die Verschiebung der Olympischen Spiele gefordert. Gleiches fordern auch andere Athleten, Politiker und Verbände.

Andreas Toba weiß nur allzu gut, was es bedeutet, bei Olympischen Spielen auf der größten Bühne des Sports zu stehen. Vor vier Jahren in Rio de Janeiro riss dem Turner aus Hannover im Mannschaftswettkampf das Kreuzband. Trotzdem blieb er für das Team im Wettkampf und wurde anschließend als "Hero de Janeiro" bezeichnet und für seinen Einsatz mehrfach ausgezeichnet. Geht es nach Toba, wird er aber in diesem Sommer nicht erneut bei Olympia antreten. Er forderte aufgrund der Corona-Pandemie in deutlichen Worten eine Verschiebung der Spiele, die am 24. Juli beginnen sollen.

Toba: "Auf was noch warten?"

"Liebes IOC , bitte erlöst die weltweite Sportgemeinschaft vom Druck, alles für den Traum zu geben, auch wenn es in der aktuellen Situation unmöglich ist. Verschiebt die Spiele", schrieb Toba auf Facebook: "Nicht zuletzt auch nach den immer deutlicheren Ansagen der Politik, ist es mir nun mehr als klar, die Olympischen Spiele 2020 müssen verschoben werden. Auf was noch warten? Die Vorzeichen deuten doch klar darauf hin, dass wir die Corona-Pandemie nicht in wenigen Wochen weltweit in den Griff bekommen."

Apetz für Spiele ein Jahr später

Auch Nadine Apetz, Athletensprecherin des Deutschen Boxsport-Verbandes, sprach sich im ARD-Morgenmagazin für eine Verlegung aus: "Ich bezweifel, dass es in diesem Jahr noch machbar ist. Ich hoffe, dass es stattfindet. Ich bin aber zu der Überzeugung gekommen, dass es das Beste wäre, die Spiele um ein Jahr zu verschieben."

07:09 min | 20.03.2020 | Das Erste

Boxerin Apetz: Olympia um ein Jahr verschieben

Nadine Apetz, Boxerin und Athletensprecherin des Deutschen Boxsport-Verbandes, fordert im Gespräch mit Peter Großmann im ARD-Morgenmagazin, die Olympischen Spiele in Tokio zu verschieben.

Kritik auch von anderen deutschen Sportlern

Toba und Apetz sind nicht der erste deutsche Athleten, der das Internationale Olympische Komitee (IOC) zum Handeln auffordert. Ähnlich deutlich hatte vor Kurzem beispielsweise Isabell Werth geäußert: "Das ist eine unverständliche und überhaupt nicht nachvollziehbare Hinhaltetaktik vom IOC und den Japanern", sagte die weltbeste Reiterin. "Sie sollten sich am Fußball und an der Formel 1 ein Beispiel nehmen und jetzt sagen: 'Olympia im Juli wird nichts'", meinte die sechsmalige Dressur-Olympiasiegerin.

Auch für die zweimalige Olympia-Teilnehmerin im Schwimmen, Alexandra Wenk, ist es unverständlich, dass Olympia noch nicht abgesagt wurde. Sommerspiele in dieser Situation wären "absurd und völlig irrelevant", sagte die Münchnerin in der "Süddeutschen Zeitung."

Wie geht der Trainingsbetrieb weiter?

Was derzeit beinahe alle Sportler beschäftigt, ist die Frage nach Chancengleichheit und Trainingsmöglichkeiten. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte darüber nachgedacht, die Athleten in Kienbaum zusammenzuziehen, diese Idee aber am Donnerstag (19.03.20) verworfen. "Eine Vorbereitung unter normalen Umständen ist nicht möglich“, bemängelte Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler stellvertretend für die große Mehrheit der Sportler.

Sportausschussvorsitzende Freitag mit deutlichen Worten

Auch aus der Politik werden Forderungen nach einer schnellen IOC-Entscheidung lauter. "Diese Hinhaltetaktik dient einzig den Interessen des IOC und des Organisationskomitees in Tokio. Die Athleten, ohne die es übrigens das Produkt Olympische Spiele nicht geben kann, sind eindeutig die Leidtragenden", sagte die Sportausschussvorsitzende des Bundestages, Dagmar Freitag (SPD). Die Deutsche Olympische Gesellschaft äußerte sich ähnlich: "Das IOC sollte den Mut haben, die Olympischen Spiele von Tokio 2020 abzusagen und die Menschen, die Sportler, die Sportwelt nicht länger im Ungewissen lassen", sagte Vizepräsident Hans-Joachim Lorenz.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia 2020 in Tokio | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 20.03.20 15:41 Uhr