Eine Tierhandlung in Sapporo

Der Japan-Reiseblog von Julia Linn

Zu Besuch im Welpenknast

Das sonst so tierliebe Japan kann auch anders: Unzählige Welpen in kleinsten Käfigen. Mir wird ganz anders als ich diese Seite des Olympia-Gastgebers kennenlerne.

Puh. Ich weiß nicht so recht, wie ich diesen Beitrag beginnen soll - deshalb bin ich ganz ehrlich: Mir fehlen eigentlich die Worte. Es ist das übelste Geschäft, das ich jemals betreten habe. Welpen in allerkleinsten Käfigen, auch das ist das Olympia-Land Japan.

Wan-Shop werden solche Geschäfte genannt - "Wan Wan" ist das "Wau Wau" Japans, erklärt mir mein Kollege Björn, der mehrere Jahre hier gelebt hat. Bisher habe ich mich noch nie in so einen Welpenknast hineingetraut. Jetzt weiß ich auch, warum. In einer Einkaufspassage in Sapporo wage ich es: Teils apathisch schauen sie mich an. Einige springen an der Scheibe hoch, sie hoffen offenbar auf Rettung. Mir bricht es das Herz.

Kleinste und kleine Käfige

Die Hunde sind in kleinsten und kleinen Käfigen eingepfercht. Ich versuche, ein System dahinter zu erkennen, welchen Hunde ein paar Zentimeter mehr gegönnt werden. Alter? Gewicht? Preis? Es bleibt mir ein Rätsel. Und egal wie: Alle haben zu wenig Platz. Einige Welpen haben nicht mal Wasser in ihrer Box. Alle haben einen kleinen Teppich, manche eine Art Hundeklo. Tageslicht hat wohl noch keines dieser Tiere jemals gesehen.

Eine Tierhandlung in Sapporo

Eng an eng und trotzdem einzeln isoliert. Die Welpen im "Wan-Shop".

Die günstigsten Hunde sind schon etwas größer und sitzen hinter Gitterstäben - sie kosten 88.000 Yen, etwa 700 Euro. Wahrscheinlich sind sie die übriggebliebenen, jetzt im Ausverkauf. Der teuerste Hund kostet gut 2.800 Euro. Gesund sieht er nicht aus, wie viele der Welpen hier. Wohlgenährt ist anders.

Dabei gibt es hier im Laden eigentlich alles, was das Hundeherz begehrt - quietschende Spielzeuge, kuschelige Körbchen und jede Menge Leckerlis. Nur die Welpen, die hier ihr Dasein fristen, bekommen offenbar nicht viel davon ab.

Tierquälerei im tierlieben Land

Ein Stockwerk höher werden Krallen und Fell geschnitten, aber an einen Schönheitssalon erinnert hier nichts. Immerhin: Das Personal streichelt die Tierchen dabei. Ich frage mich, ob ihnen eigentlich klar ist, dass das hier alles andere als artgerecht ist. Ich fürchte, die Antwort ist: nein. So sehen sie eben aus, japanische Tierhandlungen. Mir fällt da nur ein Wort ein: Tierquälerei.

Ein Hundefriseur in Sapporo

Am Hundesalon im Hundegeschäft steht "Gefahr" - stimmt.

Dabei sind die meisten Japaner eigentlich wahnsinnig tierlieb. Für einige ist der Hund ein Kindersatz - etwa weil sie sich ein Kind nicht leisten können, der Hund ist die günstigere Variante zum Liebhaben. Und wer seinen Hund richtig liebt, geht auch nicht einfach normal Gassi: Der Hund bekommt einen Kinderwagen und passendes Outfit. Artgerecht ist auch das nicht, aber es ist dennoch ein Ausdruck von hingebungsvoller Tierliebe - vielleicht als Wiedergutmachung, sagt mein Kollege.

 

ARD-Reporterin Julia Linn

Julia Linn

Zur Person: Julia Linn arbeitet für den WDR und im ARD-Studio Tokio und berichtet hier täglich von ihren Erfahrungen bei den Olympischen Spielen in Tokio.

 

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia Tokio 2020 | 23.07.2020 | 09:05 Uhr

Stand: 15.07.21 12:48 Uhr

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...
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