02:13 min | 01.09.2021 | Das Erste

Doppel-Gold in sechs Minuten: Engel und Krawzow krönen sich im Brustschwimmen

Schwimmen

Engel und Krawzow schwimmen zu Paralympics-Gold

In nur sechs Minuten haben die deutschen Schwimmer Taliso Engel und Elena Krawzow am Mittwoch (01.09.2021) eine neunjährige Goldflaute der deutschen Para-Schwimmer beendet. Dabei lieferte Engel nach seinem Weltrekord im Vorlauf auch im Finale über 100 Meter Brust ab und siegte überlegen min Weltbestzeit. Auch Elena Krawzow krönte sich mit ihrem ersten Paralympics-Titel. Justin Kaps wurde in seinem Finale Siebter, Marlene Endrolath Achte. Die Berlinerin Mira Jeanne Maack wurde im Vorlauf disqualifiziert.

Der 19 Jahre alte Engel verbesserte im Finale über 100 Meter Brust seinen eigenen, erst im Vorlauf aufgestellten Weltrekord (1:03,52 Minuten), noch einmal und schwamm in 1:02,97 Minuten bei seinen ersten Paralympics gleich zu Gold. "Das ist ein perfekter Tag gwesen. Es hat alles perfekt gepasst", freute sich Engel nach dem Rennen im Sportschau-Interview. "Ich bin sehr zufrieden. Da ist einiges explodiert. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass das Rennen vorbei ist, weil ich mir so einen Stress gemacht habe, weil ich auch so eine hohe Erwartung an mich hatte."

Engel: "Gänsehaut"

Nach der Siegerehrung gestand der sehbehinderte gebürtige Nürnberger: "Es war ein besonderer Moment, auf dem Podest zu stehen und die deutsche Hymne zu hören. Ich habe jeden Moment genossen. Echt krass, ich hatte Gänsehaut."

Der Weltmeister von 2019 lag zu Beginn des Rennens noch knapp hinter seinem ärgsten Konkurrenten, dem US-Amerikaner David Henry Abrahams. Doch bereits an der 50-Meter-Marke übernahm Engel die Führung und baute diese noch weiter aus. Abrahams holte in 1:04,38 Minuten Silber. Bronze ging an den Kasachen Nurdaulet Schumagali (1:05,20 Minuten).

02:53 min | 01.09.2021 | Das Erste

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Auch Krawzow zu Gold

Kurz darauf schwamm auch die sehbehinderte Krawzow über 100 Meter Brust (SB13) zu ihrer ersten paralympischen Goldmedaille. Die zweifache Weltmeisterin, die bereits im Vorlauf die Bestzeit geschwommen war, siegte im Aquatics Centre in 1:13,46 Minuten vor Rebecca Redfern.

Krawzow: "Hatte ein mentales Loch"

Jetzt bin ich sehr sehr froh, dass ich das geschafft habe. Das war die einzige Medaille, die mir bisher noch gefehlt hat", freute sich die gebürtige Kasachin Krawzow nach dem Wettkampf im Sportschau-Interview. "Die Verschiebung von einem Jahr hat alles bei mir durcheinandergebrcht. Ich hatte ein mentales Loch. weil ich nicht wusste, wie ich mich vorbereiten sollte. Ich wusste nicht, ob die Spiele überhaupt kommen", sagte die 27-Jährige, die vor fünf Jahren in Rio noch Fünfte geworden war.

Die Britin Redfern, Paralympics-Zweite von 2016, hatte nach 50 Metern noch einen Vorsprung von einer Sekunde, musste sich über die volle Distanz aber Krawzow deutlich um 0,64 Sekunden geschlagen geben. "Die erste Bahn ist bei mir immer etwas schwierig. Die 100 Meter sind bei mir immer noch etwas zu kurz, ideal wären 200 Meter, aber die gibt es hier ja leider nicht. Auf der zweiten Bahn fällt es mir wesentlich leichter, Tempo aufzunehmen", sagte Siegerin Krawzow später. Bronze ging an Colleen Young aus den USA (+ 2,23 Sekunden). Mit Marlene Endrolath war eine zweite Deutsche im Finale vertreten, die 20-Jährige schlug als Achte (+ 7,33 Sekunden) an.

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Erstes Gold seit 2012

Vor dem Doppel-Gold für Engel und Krawzow von Tokio hatte lange keinen deutschen Paralympics-Sieg gegeben: Genauer gesagt seit Daniela Schultes Sieg über 400 Meter Freistil 2012 in London.

Ergebnisse

Schwimmen, 100 m Brust, SB13 - sehbehindert, Männer, Finale

Gold Flagge Deutschland GER Taliso Engel
Silber Flagge USA USA David Henry Abrahams
Bronze Flagge Kasachstan KAZ Nurdaulet Schumagali
4. Flagge Usbekistan UZB Firdavsbek Musabekov
5. Flagge Belarus BLR Igor Boki

Schwimmen, 100 m Brust, SB13 - sehbehindert, Frauen, Finale

Gold Flagge Deutschland GER Elena Krawzow
Silber Flagge Großbritannien GBR Rebecca Redfern
Bronze Flagge USA USA Colleen Young
4. Flagge Russisches Paralympisches Komitee RPC Maria Latrizkaia
5. Flagge Belarus BLR Anastasija Sudsilawa
8. Flagge Deutschland GER Marlene Endrolath

Kaps bei Paralympics-Premiere Final-Siebter

Zum Start der Tokioter Nachmittags-Session war der 19 Jahre alte Berliner Kaps zuvor über 400 m Freistil (S10) Siebter geworden. Beim Sieg des Ukrainers Maksym Krypak (3:59,62 Minuten) schlug der WM-Fünfte von 2019 nach 4:15,85 Minuten an. Kaps war dabei noch einmal rund drei Sekunden schneller als im Vorlauf (4:18,99 Minuten). Zuvor über 100 Meter Freistil hatte der junge Schwimmer, der unter anderem mit einem fetalen Alkoholsyndrom zur Welt kam, den Endlauf am vergangenen Wochenende noch verpasst.

Ergebnisse

Schwimmen, 400 m Freistil, S10 - körperbehindert, Männer, Finale

Gold Flagge Ukraine UKR Maxim Krypak
Silber Flagge Niederlande NED Bas Takken
Bronze Flagge Australien AUS Thomas Gallagher
4. Flagge Italien ITA Stefano Raimondi
5. Flagge Kanada CAN Alexander Elliot
7. Flagge Deutschland GER Justin Kaps

Maack wähnt sich im Finale - und wird disqualifiziert

Maack verpasste zum Abschluss ihrer ersten Paralympics das Finale über 100 m Brust (SB7) auf bittere Art und Weise: Sie wurde im Vorlauf disqualifiziert. Die 17-jährige Berlinerin, die beidseitig Klumpfüße sowie Hüftdysplasien hat, hatte in den vergangenen Tagen bereits drei Finalrennen bestritten: In der Klasse S8 belegte sie über 400 m Freistil und 100 m Rücken jeweils Platz fünf, dazu kam ein sechster Rang über 200 m Lagen (SM8). Auch über 100 m Brust war die Schülerin in ihrem Vorlauf schnell unterwegs und erreichte vermeintlich zum vierten Mal das Finale. Doch die Wettkampfrichter im Aquatics Centre sprachen eine Disqualifikation aus.

Maack war der Grund dafür in einer ersten Reaktion unklar: "Ich weiß nicht, wieso ich qualifiziert wurde. Es ist sehr traurig. Vielleicht war was mit meiner Brustbewegung falsch. Ich kann es mir nicht erklären. Ich muss jetzt erstmal mit meinem Trainer reden, was er sagt und wie es weiter geht", sagte sie im ZDF-Interview.

Ergebnisse

Schwimmen, 100 m Brust, SB7 - körperbehindert, Frauen, Finale

Gold Flagge Russisches Paralympisches Komitee RPC Maria Pawlowa
Silber Flagge USA USA Jessica Long
Bronze Flagge Australien AUS Tiffany Thomas Kane
4. Flagge Neuseeland NZL Nikita Howarth
5. Flagge Mexiko MEX Naomi Somellera Mandujano

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Paralympics Tokio 2020 | 02.09.2021 | 09:05 Uhr

Stand: 01.09.21 12:17 Uhr