08:40 min | 23.08.2021 | Das Erste

Mein Weg - Para-Schwimmer Josia Topf

Sportler

Paralympics: Mein Weg - Josia Topf

Ich bin Josia Topf, Schwimmer, und im deutschen Team für die Paralympics in Tokio. Ich bin 18 Jahre alt, komme aus Erlangen. Meine größten Erfolge waren definitiv mein Weltrekord über 50 Meter Delphin, mein Weltrekord über 150 Meter Lagen, Vierter bei der EM, Sechster bei der WM - und so arbeiten wir uns langsam hoch.

Meine Faszination für die Paralympics hat 2012 begonnen, als ich die Spiele in London gesehen habe. Ich habe den Einlauf der Athlet*innen gesehen und er hat mich so fasziniert. Was für eine Riesen-Veranstaltung das war. Das war einfach so unglaublich, so überwältigend, dass ich gesagt habe: Da möchte ich unbedingt hin. Das ist mein neuer Lebenstraum. Das möchte ich unbedingt erreichen.

Viele Operationen als Kind

Ich habe das TAR-Syndrom. Im Prinzip ist es so: Mir fehlen die Arme und ich habe keine Knie. Darüber hinaus ist das rechte Bein kürzer als das linke. Das heißt, ich brauchte auch eine gute Schienenversorgung, damit ich überhaupt in der Lage bin zu laufen.

Natürlich gibt es noch verschiedene andere Probleme, die auftreten. Aber das aufzuzählen, würde definitiv den Rahmen sprengen. Ich habe einen sehr schmerzhaften Weg hinter mir. Ich musste sehr viele Operationen über mich ergehen lassen. Mein Vorteil oder mein Glück war, dass sie alle in einem sehr, sehr jungen Alter durchgeführt wurden, sodass ich mich daran nicht mehr erinnere oder mein Hirn das automatisch verdrängt hat.

Die Mutter macht alles möglich

Meine Mutter hängt sich echt rein, dass ich alles machen kann. Und ich bin sehr glücklich, dass sie über die Jahre hinweg so in mich investiert hat, dass ich eben mein Leben so leben kann, wie ich es jetzt lebe. Dass ich Pläne machen kann und dass ich einfach mein Leben in der Form so genießen kann. Das verdanke ich zu 100 Prozent meiner Mutter, weil sie auch ihre Dinge zurückgestellt hat.

Das Schwimmen hat mir mein Vater beigebracht, als ich sechs Jahre alt geworden bin. Und es war einfach perfekt für mich. Ich bin ein sehr sportlicher Mensch. Ich muss Sport treiben, sonst fühle ich mich in die Ecke gedrängt, eingezwängt wie in ein Gefängnis. Ich muss mich in irgendeiner Form bewegen. Im Wasser war ich frei. Es gab keine Grenzen. Ich konnte hochtauchen, untertauchen, tief tauchen, weit schwimmen. Es war scheißegal. Am Ende des Tages sage ich einfach: Ja, ich habe mich ins Schwimmen verliebt. Ich liebe das Schwimmen.

Das richtige Maß zwischen Kraft und Flexibilität finden

Was mir fehlt, ist Stabilität, natürliche Stabilität, wenn ich mich bewege. Und diese Stabilität muss ich versuchen, an anderen Stellen auszugleichen, indem ich die Muskeln, die vorhanden sind, stärke. Und es bringt jetzt beispielsweise nichts, wenn ich mich wie ein Bodybuilder aufpumpen würde. Das würde mir ja in keinster Weise helfen. Sondern ich muss versuchen, genau das Maß zu finden zwischen Flexibilität und genügend Kraft bzw. Stabilität. Damit ich dann auch diesen Schwung umsetzen kann. Schon ein kleiner Fehler kann das ganze System ins Wanken bringen.

Ich schwimme beispielsweise Kraul auf der Seitlage und da muss ich darauf achten, dass die eine Hälfte über Wasser ist, die andere Hälfte unter Wasser. Ich muss schauen, dass ich meinen Kopf festmache, dass ich in der Mitte schwimme und nicht irgendwie zur Wand abtreibe.

Ich muss mich auf die Beine konzentrieren, dass ich eine hohe Amplitude, aber gleichzeitig auch eine hohe Frequenz habe. Beim Schnellschwimmen zum Beispiel. Und natürlich muss ich auch auf die Atmung achten.

In Tokio soll es eine persönliche Bestzeit geben

Meine Hoffnungen und Erwartungen für Tokio sind Bestzeit. Wenn ich keine Bestzeit schwimmen würde, wäre das für mich sehr hart.

Denn es ist wirklich auch für mich nochmal eine Probe, um zu zeigen: Ja, ich kann es abrufen, ich bin da! Was Platzierungen angeht, hoffe ich, dass ich unter die besten Fünf komme, zumindest über 50 Meter Rücken und 50 Meter Freistil. Wenn dann dabei eine Medaille rausspringen sollte, sage ich dazu selbstverständlich nicht nein.

Ich darf ins Wasser, ich darf schwimmen. Und das ist einfach so unglaublich, dass ich gesagt habe: Das ist es mir wert, dass ich mich da so reinhängen und auch diese Anstrengungen und teilweise auch Rückschläge in Kauf nehme, um mich zu verbessern.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Paralympics 2020 | 24.08.2021 | 09:05 Uhr

Stand: 16.08.21 09:56 Uhr