08:46 min | 03.08.2021 | Das Erste

Malaika Mihambo gewinnt Weitsprung-Gold

Leichtathletik

Leichtathletik: Mihambo mit Nerven aus Stahl zu Olympia-Gold

Bis zu ihrem letzten Versuch lag Malaika Mihambo im olympischen Weitsprung-Finale von Tokio auf dem Bronzerang. Dann zahlte sich die innere Kraft und Nervenstärke der Weltmeisterin einmal mehr aus: 7,00 m und - Gold!

Malaika Mihambo wollte nicht hinsehen. Sie hockte an der Grube und hielt sich beim letzten Versuch von Brittney Reese die Augen zu. Doch die Konkurrenz konnte nicht mehr kontern, die Heidelbergerin schnappte sich unter Tränen die deutsche Fahne und schrie ihre Freude heraus. Reese (USA) gewann am Ende des Weitsprung-Krimis von Tokio mit 6,97 m vor der weitengleichen Ese Brume aus Nigeria aufgrund des besseren zweiten Versuchs Silber.

21 Jahre nach Heike Drechsler wieder Weitsprung-Gold

21 Jahre nach Heike Drechsler hat Deutschland damit wieder eine Weitsprung-Olympiasiegerin. "Ich bin überwältigt. Ich glaube, es war bei den Frauen der spannendste Weitsprung-Wettkampf der Geschichte", sagte Mihambo, die in einer Hitzeschlacht bei 36 Grad ein unglaubliches Auf und Ab erlebte.

"Es war so aufregend, dabei zu sein, und ich bin froh, dass ich es am Ende geschafft habe. Ich wusste die ganze Zeit, dass ich es schaffen kann."

Drechsler gratulierte Mihambo euphorisch: "Wahnsinn. Ich freue mich riesig für sie, das hat sie sich verdient - was für eine Nervenstärke", sagte die 56-Jährige, die den Wettkampf zu Hause in Helsinki vor dem Fernseher mit ihrem Ehemann Arto Bryggare verfolgte: "Wir werden mit einem Gläschen Champagner anstoßen. Ich bin sehr berührt, habe fast geheult." 

05:28 min | 03.08.2021 | Das Erste

Leichtathletik: Die Siegerehrung mit Malaika Mihambo

Die Siegerehrung mit Weitspringerin und Goldmedaillen-Gewinnerin Malaika Mihambo.

Sieg mit dem letzten Sprung

Hauchdünn hatte Mihambo vor dem letzten Durchgang mit 6,95 m hinter London-Olympiasiegerin Reese und Brume gelegen, nach einem guten Start in den Wettkampf viel riskiert und zwischendurch ein wenig den Rhythmus verloren. In Durchgang drei - beim EM-Triumph 2018 und dem WM-Titel 2019 jeweils ihr bester - verschenkte sie 20 Zentimeter, in der vierten Runde lief sie durch, danach trat sie über.

"Ich wusste, ich habe nur noch diesen letzten Versuch und muss mein Bestes geben. Und dann habe ich diese innere Stärke gefühlt und diesen Glauben an mich selbst, der ungebrochen ist." Malaika Mihambo

Eindrucksvoll, wie die 27-Jährige dann einmal mehr da war, als es darauf ankam. Bronze hatte sie sicher, legte alles in den letzten Sprung - und triumphierte, obwohl sie sogar 19,5 Zentimeter verschenkte. Schon in der Qualifikation hatte sie mit der Saison-Bestleistung von 6,98 m überzeugt, gesprungen ebenfalls erst im letzten Versuch.

In schwierigen Phasen den Kopf oben behalten

Mihambo, die fünf Jahre zuvor in Rio bei ihrem Olympia-Debüt Vierte geworden war, hatte nach ihrer Dominanz im WM-Jahr 2019 nur schwer in die Saison gefunden. Die Verkürzung des Anlaufs zur Schonung ihres lädierten Rückens von 20 auf 16 Schritte und die Rückkehr zum langen Anlauf gerieten bis nahe an Olympia heran zur Zitterpartie.

"Es war hart für mich, den Weg zu gehen. Man versucht sein Bestes, aber man schafft es einfach nicht, da anzuknüpfen, wo man 2019 aufgehört hat. Da kommen auch viele Selbstzweifel hoch", schilderte sie.

Rechtzeitig vor den Spielen zeigte die Weltmeisterin aber einen deutlichen Aufwärtstrend und näherte sich wieder der Sieben-Meter-Marke an. "Es war gut, in der schwierigen Phase immer den Kopf oben behalten zu haben", sagte die zweimalige "Sportlerin des Jahres".

"Das ist ein Gefühl, das ich kaum beschreiben kann, weil dieser Weg so hart war und so steinig, und ich auf der anderen Seite soviel gelernt habe und auch dankbar dafür bin." Malaika Mihambo über ihren Olympiasieg

Drechsler hatte 1992 in Barcelona und 2000 in Sydney Gold gewonnen. Mihambo ist die insgesamt vierte deutsche Weitsprung-Olympiasiegerin nach Heide Rosendahl (1972), Angela Voigt (DDR/1976) und Drechsler (1992/2000). "Wahnsinn! Das hat mich richtig gefreut", sagte Heide Ecker-Rosendahl: "Einfach genial. Ich bin sehr gerührt und überwältigt." Für die deutschen Leichtathleten ist es in Tokio das zweite Edelmetall nach Silber der Potsdamer Diskuswerferin Kristin Pudenz.

Ergebnisse

Leichtathletik, Weitsprung, Frauen, Finale

Gold Flagge Deutschland GER Malaika Mihambo
Silber Flagge USA USA Brittney Reese
Bronze Flagge Nigeria NGR Ese Brume
4. Flagge Serbien SRB Ivana Spanovic
5. Flagge Ukraine UKR Maryna Bech-Romantschuk

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Sportschau | Olympia Tokio 2020 | 04.08.2021 | 08:00 Uhr

Stand: 03.08.21 09:45 Uhr